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Simon Halfmeyer - Expetopia
29. April bis 18. Juni 2016

Farne, Palmwedel und Wurzelwerk überwuchern seine Bilder, überwachsen und verdecken streng lineare Architekturen. Wie Sendemasten, Flutscheinwerfer und Fernsehgeräte werden sie Teil des fiktiven Dschungels. Dabei entdeckt, wer genau hinsieht, Elemente wieder: Den seeartigen Fleck, der das Bild unvermittelt unterbricht, oder die sich überlagernden Schichten der Palmwedel im Wallpaper, die in vielfacher Wiederholung ein Dickicht vortäuschen.

wallpaper Hamburg 1 - 5

Quelle für Simon Halfmeyers Arbeiten ist sein stetig wachsendes Archiv von Bildern, Fotos, Zeitungsausschnitten, Zeichnungen von Architekturen, Stadt- und immer wieder Urwaldelementen. In digitaler und analoger Form angelegt, zeichnet er sie ab, vervielfältigt sie digital, projiziert sie übereinander und fügt sie zu immer wieder neuen Fiktionen, Stadt- und Naturutopien zusammen.

Expetopia
Südseeutopien finden sich an vielen städtischen Orten: Firmenfoyers und Schwimmbäder begrüßen ihre Besucher gerne mit künstlicher Südseeflora, Gewächshäuser präsentieren arrangierte Tropenwelten und der Blumenladen an der Ecke bietet für wenig Geld Palmen und Kakteen für die Fensterbank. Vorbilder für manche städtische Südseewelt sind Romane, Reisebeschreibungen und Filme, die mit der Wirklichkeit der Südsee so wenig zu tun haben wie der Dschungel im Firmeneingang.
Simon Halfmeyer kreiert in seinen Bildern solche Fiktionen und legt zugleich ihre Künstlichkeit offen. Palmen werden bis zur Unkenntlichkeit aufgerastert und Glasplatten und Durchblicke zeigen die Wandstruktur hinter der Arbeit. Unregelmäßig angelegte Druckplatten hinterlassen weiße Linien im Dickicht, die an flimmernde Streifen einer Bildstörung im analogen Fernsehen erinnern. Spuren der Herstellung durchbrechen die scherenschnittartigen Ölarbeiten und holen den Prozess ins Kunstwerk. Die Idylle wird gebrochen und die Fiktion sichtbar.
Simon Halfmeyer ist Zeichner und Grafiker mit Leidenschaft. Und mit Leidenschaft lotet er die Grenzen seines Mediums aus, holt die Zeichnung in die Skulptur und die Architektur des umgebenden Raumes in die Grafik. Er zeichnet auf ihr und macht sie sichtbar, experimentiert, nutzt die Digitalisierung und Belichtungsverfahren und entwickelt neue Formen und Techniken, die sich von Trägermaterialen oder auch den Grenzen der Zweidimensionalität lösen.

Stars II

Das Spiel mit den Bildelementen führt bis in die Abstraktion: Architektonische Linien verdichten sich zu strahlenförmigen Formen, die an Sternenexplosionen erinnern. Sie kontrastieren mit der Gegenständlichkeit anderer Arbeiten und greifen doch in freierer Form die Linearität zeitgenössischer Hochhaus- und Büroarchitektur auf. Über fließende Farbflächen gelegt zelebrieren sie das Gegenteil der Rasterung, die durch das einheitliche Schema der Fenster- und Linienführung der Architekturen vorgegeben ist.
Die Ausstellung zeigt wandfüllende Zeichnungen und Siebdrucke, Drucke, die von der Wiederholung leben und solche, die nur als Unikat funktionieren. Zeichnungen auf Wandmodellen, gleichsam als mobile Wand mit Objektcharakter und Miniatur von Halfmeyers groß angelegten Wandzeichnungen, und Radierungen, die ein Archiv „verlorener“ Wandzeichnungen bilden.

Abbildungen: Simon Halfmeyer, Wallpaper Hamburg 1-5, 2016, Siebdruck auf Tapetenbahn, montiert und gerahmt, 5 Teile à 263,5 x 64,5 cm & Stars 2, 2015, Aquarell und Graphit auf Schichtstoff, 181 x 121 cm